| Daniela Oriet |
Leserbrief im ZO, 18.4.07 Klima nicht kollabieren lassen! Zu den Leserbriefen «Verkehr nicht kollabieren lassen» und «Richtiger Entscheid - jetzt müssen Taten folgen» vom 11.4.07 Die Herren Heusser und Hulliger sind des Lobes voll über die Genehmigung des Verkehrsrichtplanes. Auch Wetzikon könne sich über die Festsetzung der Oberlandautobahn und der Westtangente freuen. Freuen? Können wir uns wirklich darüber freuen, wenn der Verkehr gesamthaft zunimmt. Wenn zwar einzelne Strassenabschnitte entlastet werden, wir aber immer mehr Natur und Lebensqualität dem Verkehr opfern? Wenn durch die zunehmenden Schadstoffemissionen das Klima aufgeheizt wird? Was hat uns die zunehmende Mobilität gebracht? Obwohl wir immer schneller von A nach B kommen, nimmt die Zeit, die wir unterwegs sind, immer weiter zu. Der Ausbau des Verkehrsnetzes führte nicht etwa dazu, dass wir weniger Zeit im Auto oder Zug verbringen, im Gegenteil, wir wohnen immer weiter weg vom Arbeitsort, nehmen immer weitere Wege in Kauf, um uns zu erholen. Die Lösung des Problems liegt zuletzt im Ausbau des Strassennetzes. Zuerst ist konsequent auf den öffentlichen Verkehr zu setzen, welcher auf der beanspruchten Fläche viel mehr Personen befördern kann. Kurze Strecken - jede dritte Autofahrt ist kürzer als 3 Kilometer - sollten zu Fuss oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Neben dem positiven Effekt auf die Umwelt, ist dies auch der Volksgesundheit förderlich. Selbstverständlich kommen wir nicht ohne den motorisierten Individualverkehr aus. Selbstverständlich gibt es Situationen, wo Strassenneubauten nötig werden, weil die Verkehrssicherheit nicht gewährleistet ist oder die Immissionssituation unzumutbar ist. Der Ausbau des Strassennetzes muss aber die letzte Massnahme sein und nicht die erste. Bevor nicht alle Vorkehrungen getroffen wurden, die Verkehrszunahme auf umweltfreundliche Weise zu bewältigen, entpuppen sich Strassenneubauten als Fass ohne Boden. Und zuletzt darf mit dem Bau von neuen Strassen eine Vielzahl neuer Probleme geschaffen werden. Am Beispiel der Oberlandautobahn heisst dies, es gäbe durchaus eine Lösung, die viele Nachteile vermeidet. Die Nordvariante der Oberlandautobahn verzichtet auf eine Kapazitätserweiterung, unberührte Landschaften werden nicht durch Strassenbauten verschandelt, die neue Strasse geht nicht durch bisher unbelastete Quartiere und das Einkaufszentrum Hinwil wird direkt erschlossen. Leider hat sich die bürgerliche Mehrheit immer dagegen gesträubt, sich auf eine Variantendiskussion einzulassen. Aus Angst, der Bau der Autobahn könnte sich verzögern, wurde stur an der Variante Mitte + festgehalten. So wird Verhinderungspolitik betrieben. Der Kantonsrat hat den Verkehrsrichtplan genehmigt und es somit versäumt, die Mobilitätsprobleme auf nachhaltige Weise zu lösen. In diesem Sinne: Lassen wir uns weiter zufrieden von unseren Karossen herumchauffieren auf der Suche nach intakter Landschaft und Erholungsgebieten, das Klima chauffieren und uns darüber echauffieren, dass die Kinder immer dicker werden. |