| Josef Lauber |
Die SP Wetzikon betreibt Schaumschlägerei
zum Artikel «Für geschickten Mix» im Zürcher Oberländer, Ausgabe vom 5. Januar 08
(siehe auch Ein Zentrum in Wetzikon (80 KB) )
Die SP Wetzikon fordert den Gemeinderat ultimativ auf, speditiv und professionell die von Absolventen der Zürcher Hochschule Winterthur erarbeiteten fünf Varianten einer Verkehrsflusslösung in Oberwetzikon anzupacken. Da staunt der Laie!
Vor 45 Jahren berichtete eine Fernsehsendung «Heute Abend in Wetzikon» von Land und Leuten und mit Wort und Bild über beinahe reife Pläne einer grosszügigen und leistungsfähigen Ringstrasse rund um Oberwetzikon, von der Pappelnstrasse, hinter dem Materiallager der Firma Hirzel bis zur Usterstrasse beim Café Heubach, unterhalb der Kirche bogenförmig zur Bachtelstrasse und hinter den Liegenschaften der Karosserie Wyss zur Bahnhofstrasse/Pappelnstrasse zurück. Ein leistungsfähiges Projekt, um dessen Verwirklichung Wetzikon seit 20 Jahren höchst dankbar wäre. Dieses Projekt wurde von SP-Seite bekämpft, so wie sich die SP während Jahrzehnten gegen alle Arten von Strassen zugunsten eines flüssigen Verkehrs zur Wehr setzte.
Des langen Zuwartens überdrüssig verwirklichte die Migros ihr Vorhaben und eröffnete vor 25 Jahren den heutigen Migros-Markt. Dass dieser viel Volk zu Fuss und Fahrzeug anziehen würde, war dem allerletzten Wetziker klar. Glücklicherweise konnte damals das Platzangebot im Parkhaus noch nicht bekämpft werden, wie es die SP später bei allen Geschäftshausprojekten tat. (Der Wegzug ansässiger Firmen in Nachbargemeinden böte zusätzliche Fragezeichen zur SP-Ideologie.)
Die Gemeinde Wetzikon hatte sich in den 1960er Jahren Liegenschaften und Bauland gesichert für die Verwirklichung einer Ringstrasse Oberwetzikon. Eine solche wurde nach 1982 wegen inzwischen erstellter Wohn- und Geschäftshäuser ersetzt durch die Variante einer Nordumfahrung. Aber 1994 hatten drei Viertel aller Wetziker Stimmberechtigten an der Urne ein «Verkehrsfreies Zentrum Oberwetzikon» abgelehnt, an vorderster Front unsere Wetziker SP und unsere heutigen Grünen. Diese jedoch nicht allein, denn die Kemptner Einwohner ab Werkplatz Egli bis zum Zelgli, wie auch die Unterwetziker zwischen Grundtal und Schöneich hatten längst ihre Nasen gestrichen voll vom ständig anwachsenden Durchgangsverkehr, verursacht durch die sture Verhinderung des Autobahnzusammenschlusses zwischen Oberuster und Betzholz wiederum durch die SP und heutigen Grünen. Dank hervorragender Erschliessung des Raums Wetzikon durch die S-Bahn wurde Wetzikon als begehrte Wohnlage entdeckt, gleichzeitig mit der Einwohnerzunahme von 5000 Personen innert weniger Jahre auch als «Schlafstadt», wobei die meisten Zuzüger ebenfalls ihr Motorfahrzeug mitbrachten.
Heute entspricht keine einzige der fünf Varianten, von «Piazatta» bis «Gabel», einer Verbesserung des Ist-Zustandes im Raum Oberwetzikon. Im Gegenteil: Die bisherigen Staus auf Bahnhof-, Uster-, Bachtel- bis hinauf zur Stationsstrasse würden trotzkopfartig zu zusätzlichen katastrophalen Verkehrszusammenbrüchen führen, unter denen eine fahrplanmässige Abwicklung des ZVV- Busverkehrs absolut unvorstellbar wäre! Die jetzige SP-Forderung nach «rascher Information» entspricht reiner Schaumschlägerei!
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| Brigitte Rohrbach |
Wetzikon noch nicht abgeschrieben
zum Leserbrief von J. Lauber (siehe oben) im Zürcher Oberländer, Ausgabe vom 12. Januar 08
Hoppla, da ist wohl mit Herrn Lauber das Temperament, oder der lange aufgestaute Ärger, etwas durchgebrannt.
Die SP fordert rasche Information zu den Ideen für ein Stadtzentrum, und schon ist das für ihn den staunenden Laien Schaumschlägerei.
Schon möglich, dass vor 45 Jahren die SP Wetzikon eine Ringautobahn um das Gebiet der Kirche damals standen dort weder Migros noch Stadthaus als überrissen ablehnte, wie auch ein Grossteil der Bevölkerung. Schon möglich, dass der Herr Lauber schon vor 45 Jahren mit der SP haderte deswegen. Ja auch vor 25 Jahren schienen sich seine Ansichten nicht mit denjenigen der SP Wetzikon zu decken. Zum Glück erinnern sich heute nur noch die wenigsten von denen, die heute planen und handeln an die damaligen Grabenkämpfe.
Zu erwähnen ist vielleicht noch, dass wir heute wie damals in einer Demokratie leben. Und in einer solchen ist es das Volk, das über so grosse Veränderungen und Ausgaben bestimmt, weder die SP noch eine andere Partei. Unsere Aufgabe ist es aber, die Projekte nach unseren Grundsätzen genau zu prüfen und mit unserer Einschätzung die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger zu überzeugen. Und wer weiss vielleicht hat die SP Wetzikon ihre Arbeit schon in der Vorzeit sehr gut gemacht, das wäre ja immerhin erlaubt und würde mich im Nachhinein freuen. Vielleicht aber wollte das Volk diese Entwicklung einfach nicht. Es wäre ja zu schön, wenn die SP einen Stimmenanteil von 75 % hätte. Die «Grünen» gibt es übrigens erst seit 2006.
Was 1999 geschah, das weiss ich allerdings noch sehr gut. Unter der Federführung von SP Gemeinderat Franz Behrens wurde auf ein Zentrum für Wetzikon hingearbeitet. Alle Parteien, alle Quartiervereine und Interessengruppen arbeiteten in etlichen Sitzungen daran, arbeiteten intensiv, freiwillig, engagiert; ich war selbst auch dabei. Abgelehnt wurde der dafür notwendige Zonenplan trotzdem: ob von den Anwohnern, von Leuten, die an der Gemeindeversammlung halt ihre Partikulärinteressen durchaus durchbringen können, wir wissen es nicht genau. Die Befürworterinnen und Befürworter hatten offensichtlich zu wenig Gleichgesinnte mobilisiert. Schade.
Aber nun soll neuer Wind in die Sache kommen. Jüngere Semester rollen die Pläne wieder auf, unverbrauchte, engagierte Leute haben Wetzikon noch nicht ganz abgeschrieben, betrachten es nicht nur als Schlafstadt oder als Verkehrshindernis, das es möglichst schnell zu durchqueren gilt. Gemeinderätin Babina Caviezel hat glücklicherweise noch Visionen und regt zum Mitgestalten an. Parteien arbeiten zusammen. Dies scheint ab und zu sogar zwischen CVP und SP zu funktionieren, auch wenn die Grünen mitmachen.
Und da finde ich, könnte sich auch Herr Lauber ein Vorbild nehmen und sich das Heil für unsere Stadt nicht alleine nach alter Sitte in breiteren Strassen und schnelleren Verbindungen für den motorisierten Verkehr herbeiwünschen.
Ich jedenfalls möchte es Herrn Lauber gönnen, wenn er sich dereinst auf einem Bänklein im Kirchenpark von den Strapazen des Marktbesuches im Zentrum ausruhen kann.
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