| Brigitte Rohrbach |
Die 68er sind reif fürs Museum
Zürcher Oberländer, Ausgabe vom 3. Mai 08
Beinahe hätte ich den heutigen ZO ungelesen zum Altpapier gelegt. Gut dass ich es nicht getan habe.
Die Ausgabe über die 68er ist ab Seite 2 etwas vom Besten, das ich in der letzten Zeit im ZO gelesen habe; etwas umfangreich zwar für den Samstagzmorgen, aber es lohnt sich, die Texte bei Gelegenheit auch später genauer zu lesen.
Die Beiträge sind spannend, gut recherchiert oder sehr persönliche Erfahrungsberichte und werfen ein vielseitiges, kritisches durchdachtes und erhellendes Bild auf die Zeit, die ich selbst auch recht intensiv erlebt habe, obwohl ich selbst vieles davon vergessen habe.
Ich danke den SchreiberInnen und JournalistInnen für diese Artikel auch Herr Schmid, Redaktor vom ZO gehört ja mit dazu.
Nur: dieser saublöde Titel, der mich so gar nicht «gluschtig» gemacht hat auf den Inhalt «Die 68er sind reif fürs Museum»! Was soll das?
Die vielseitigen, klugen Beiträge strafen diese dumme Überschrift Lügen! Erst mit der Lektüre ist mir bewusst geworden, wie viel die 86er Bewegung tatsächlich zur Veränderung unseres Zusammenlebens beigetragen hat. Stellen sie sich vor, dass vorher die Studenten sich noch siezten, dass das Konkubinat verboten war, dass die Mädchen darauf geschult wurden, ihrem Mann einmal eine gute Hausfrau abzugeben, dass es keine Unterstützung für Jugendkultur gab, dass ....
Lesen Sie die Texte selbst, auch wenn Sie wie ich fast auch über die Schlagzeile gestolpert sind. Es ist ganz erstaunlich.
Wie nun der ZO dazu kam, diesen unsäglichen Titel zu setzen, ist mir schleierhaft. Es zeugt auch von einer sehr geringen Wertschätzung der VerfasserInnen der Texte; er wertet deren gute Arbeit gleich vorneweg wieder ab. Der eher abgedroschene Comic über die Cüpli-Sozialisten mag ja noch angehen vor allem in Bezug auf den Hinweis aufs Seedamm-Kulturzentrum. Satire darf ja scheint’s alles. Dass dort eine Art «Museum» ( es ist allerdings von einer Ausstellung die Rede ) zum Thema eingerichtet wurde, rechtfertigt aber noch lange nicht, die ganze Entwicklung als «museumsreif» abzukanzeln.
Den VerfasserInnen der Beiträge, dem ZO, der diese Nummer ermöglichte, danke ich herzlich für ihre Arbeit und hoffe, dass sie sich nicht entmutigen lassen, auch in Zukunft solch engagierte Reportagen zu veröffentlichen.
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